Philosphie
Reiten hinter den Hunden
Der Schleppjagdverein Warendorfer Meute hält die meisten Foxhounds in Deutschland
Herbstzeit ist Schleppjagdzeit! Für viele ambitionierte Freizeitreiter ist es die schönste Zeit des Jahres: Auf dem Partner Pferd, in großer Gesellschaft hinter der Hundemeute zu reiten, schafft für die meisten ein unvergessliches Naturerlebnis. Und auch der festgefügte, traditionelle Stil jeder Schleppjagd erfreut viele, denn eine Meutejagd ist nicht nur für die teilnehmenden Reiter und Reiterinnen, sondern auch für die Zuschauer ein echtes Ereignis. Die moderne Schleppjagd hat nichts mehr mit der Hetzjagd auf lebendes Wild zu tun. Die ist seit über 60 Jahren in Deutschland verboten, Wildjagden auf Hirsch, Hase, Reh, Wildschwein und Fuchs werden nur noch in England, Irland und Frankreich geritten. Aber obwohl die Schleppjagd nur eine Imitation der Parforce-Jagd ist, hat sie nichts von ihrem Reiz für die Teilnehmer verloren. Sie ist attraktiver Freizeitsport für disziplinierte Reiter mit gut konditionierten Pferden und nimmt, wie alljährlich zu beobachten, beständig zu.
Mitten im Münsterland, in Telgte, ist die Warendorfer Meute, eine der jüngsten, dafür aber die hundestärkste Meute in Deutschland zuhause. Sie ist auf einem Hof in der Telgter Bauerschaft Raestrup untergebracht. Der Gründer und Master, Willy Rehr, war vor dem eigenen Engagement bei der "Cappenberger Meute" aktiv. Seine Passion weckte in ihm den Wunsch nach mehr Verantwortung. 18 Koppeln irische Foxhounds von den Kildare Hounds und den Galway Blazers, fünf Hunde von der Weser-Bergland-Meute sowie ein junger Rüde von der Beagle-Meute Münsterland bildeten 1979 den Grundstock der Meute, die sich seitdem bei allen Jagdreitern einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat. Der stammt aber nicht von den Jagden allein.
Die Warendorfer Meute ist auch dann zur Stelle, wenn es um Schaubilder fürs große Publikum geht. So legen sie alljährlich Schauschleppen bei den Wiesbadener Pfingstreitertagen und bei verschiedenen Anlässen, die mit dem Pferdesport zu tun haben. Heute gehören dem Verein gut 60 Mitglieder aus allen Regionen Deutschlands an. Interessierte, die sich an Hunden, Pferden und freier Natur erfreuen und engagiert mitarbeiten wollen, sind herzlich willkommen und eingeladen, sich genauer zu informieren. Das bunte Vereinsleben wird nicht allein von den Jagdterminen bestimmt. Jagdreiter- und Vielseitigkeitsausbildung mit renommierten Trainern, der Huntertrial mit verschiedenen Disziplinen und das Winterfest nehmen in gleicher Weise Einfluss auf den Jahreskalender. Die Philosophie des Vereins ist, einen bewusst überschaubaren Mitgliederbestand zu halten, um die persönlichen Kontakte zu pflegen und von Saison zu Saison zu vertiefen.
In der Equipage einer Meute zu reiten, ist der Wunschtraum vieler engagierter Jagdreiter. Die Piköre werden vom Master aus den Mitgliedern "rekrutiert" und müssen zu intensiver Ausbildung bereit sein. Die Übungsstunden für die angehenden Equipagemitglieder finden auf dem Raestruper Meutehof statt, der über ein optimales Trainingsgelände mit festen Hindernissen, Gräben, Hecken und Wasserdurchquerungen verfügt. Zu dem regelmäßigen Hundetraining gehört auch das Einjagen der Junghunde aus eigener Zucht, die beständig in die Meute integriert werden. Gut 90 schwere Foxhounds gehören zum Warendorfer Bestand.
Gejagt wird im Regelfall mit 25 bis 30 Koppeln auf einer Schleppe aus Pansenlauge, mit der die Warendorfer im Laufe ihres über 25-jährigen Bestehens die besten Erfahrungen gemacht haben. Die Schleppe, das Horn und die Stimme des Masters sowie die Hetzpeitschen der Piköre bestimmen das Verhalten der Hunde in Feld und Flur. Besonders stolz ist Master Willy Rehr, dass seine Foxhounds sich neben Schnelligkeit und Spursicherheit auch dadurch auszeichnen, dass sie "wildsauber und fremdhundesicher" sind. Denn das stimmt auch die Jagdpächter und Grundstückseigentümer freundlich, ohne deren Einverständnis es keine Schleppjagd geben kann.
*
Ohne roten Rock ist die Reiterei Zinnober;
ohne den besond'ren Look ist das Leben trüber.
Also kauft man sich die Dinge und geht forsch heran an Sprünge,
jagt mit Horn und Horrido, wie old englisch mit Plastron.
*